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FREIHEIT
ENTSTEHT AUS
DEM MUT HERAUS
ENTSCHEIDUNGEN
ZU TREFFEN,
OHNE ZU WISSEN
WO SIE DICH HINFÜHREN.

Die Wüste Arizonas lehrte mich mehr, als ich jemals zu glauben vermochte. Die Erfahrung, alleine und nur mit meinem Rucksack in der Wildnis auf mich selbst gestellt zu sein, hat nicht nur meinen bewussten Umgang zu den Dingen und zum eigenen Leben verändert, sondern auch nachhaltig meine Lebensweise beeinflusst. Heute lebe ich mit meinem Freund auf 20 m2 in meinem persönlichen Wanderfalken. Ich habe über drei Jahre an dem Entwurf gefeilt, bis ich den Prototypen 2020 endlich bauen konnte. Bis heute versuche ich das Beste aus diesen beiden Welten zu verbinden und erfreue mich an den wenigen und wesentlichen Dingen in meinem Leben. Ich genieße lange Lagerfeuernächte und den Sonnenaufgang direkt vor der Haustür.

Durch meine Arbeit bei Tiny House Diekmann habe ich bereits über 150 unterschiedliche Häuser gezeichnet. Alle ganz individuell, persönlich und für jeden Charakter zugeschnitten. Das Ergebnis sind moderne, hochwertige Entwürfe, die vor allem auf Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Umweltfreundlichkeit ausgelegt sind. Dieses Haus bleibt jedoch das Haus mit der längsten und intensivsten Planungszeit. Es bietet mir persönlich die Ruhe, nach der ich mich in meinem Alltag lange gesehnt habe und einen Rückzugsort, der mir sowohl innere als auch äußere Freiräume schenkt. Ich freue mich, den Entwurf endlich mit euch zu teilen.

Prolog, Arizona Trail September 2018

 

Ich befinde mich tief in der Wildnis, tief in der abgelegenen und urzeitlichen Welt, weit weg mit all dem, was am Ende der Straße liegt. Nur ich, die majestätischen Felswände, der rote Staub, der einsame Himmel und die großartige Stille und Verlassenheit. Ich sitze unter dem schützenden Dach aus Mesquite-Zweigen und blinzle auf eine glühende Welt, die von der Sonne zu Tode gegrillt wird. Überall um mich herum befinden sich ausgeglühte Sträucher, rissige Wurzeln, verdorrte Baumstämme und bedrohliche Pflanzen. Ein Imperium aus Nadeln, Stacheln und Dornen. Doch die Wüste ist so viel mehr als nur eine monotone, einfache und karge Landschaftsform, denn nichts ist wirklicher als Nichts. Nichts als die gewaltige Ursprünglichkeit der Natur. In den letzten Wochen war mein Zelt mein zu Hause und in meinem Rucksack trug ich alles, was ich zum Überleben benötigte. Wer zu viel mitschleppt, wird nicht weit kommen, denn nicht nur das Gehen langer Streckenabschnitte zwingt mich zur Reduktion. Die Trockenheit und Landschaftsform duldet nichts Überflüssiges. Man fängt an, das zum Leben Notwendige von den alltäglichen Begierden zu unterscheiden. Ich liebe jeden Kilometer, den ich hinter mir lasse. Es bedeutet so viel mehr als nur einen Fuß vor den anderen zu setzen. Von allem befreit und auf elementare Lebenszüge verwiesen, fängt man an, die Wüste in sich zu tragen.

Man spürt, dass sie auf einmal ein Teil seiner selbst geworden ist.